Wandteppiche als politisches und soziales Manifest.

# Zufälle

Tisser son temps: Mary Toms, Grayson Perry, Goshka Macuga.
Ausstellung mudac Lausanne (07.11.2025–08.3.2026)
Wandteppiche als politisches und soziales Manifest. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart: eine Gegenüberstellung von historischen und zeitgenössischen Wandteppichen. Die Sammlung Toms zeigt monumentale Werke von ca. 1660 bis 1725 mit glorreichen und symbolhaften Episoden aus der römischen Geschichte, gefertigt aus Seide und Goldfäden. Also wirkungsvolle Propaganda genutzt für historische Erzählungen von politischer und sozialer Natur und zur Demonstration von Reichtum und Prestige. Von der Elite in Auftrag gegeben schmücken und isolieren sie Mauerwerk von Palästen, Schlössern und Kirchen. Das gibt Einblicke in Weltanschauungen, Konflikte, Machtverhältnisse. Dem gegenübergestellt zeitgenössische Wandbehänge, mächtig im Format, von Goshika Macuga (1967, Warschau) und Grayson Perry (UK). Macuga und Perry thematisieren Sozialkämpfe, Konsumkritik und Machtdynamiken des heutigen Lebens. Sie wollen damit kollektive Geschichten und Fakten im kollektiven Gedächtnis als Chronisten verankern und dokumentieren.

Eine interessante Ausstellung, die zum Denken anregt: Ich stelle mir die Frage, welche Rolle können die kritischen Teppichwerke von zeitgenössischen Künstler:innen wie von Goshka Macuga und von Grayson Perry heute ausrichten? Zeitgenössischen Wandteppichen als Kunstform der Propaganda fehlt heute gegenüber dem Mittelalter die Funktion & Form des öffentlichen Ortes als Resonanzkörper für den kritischen Diskurs mit der heutigen Gesellschaft. Oder anders rum: nehmen heute die Sammler:innen und damit die Museen diese Rolle ein? Hat das die gleiche kraftvolle Wirkung wie die Propaganda im Mittelalter, z.B. in einer Kirche? Eine Ausstellung, die zum Denken anregt und ein kulturelles Gut als politisches Instrument aufnimmt und versucht, es ins Jetzt zu transformieren.

© Grayson Perry, Morris, Gainsborough, Turner, Riley, 2021 | © Grayson Perry. Courtesy of the artist, Paragon | Contemporary Editions Ltd and Victoria Miro

Le Triomphe de Titus et Vespasien, tenture de l’Histoire de Titus et Vespasien, 1668–1688, manufacture de Guillaume van Leefdaal, d’après le modèle de Charles Poerson | © Fondation Toms Pauli Lausanne, acquisition 2023

La Conférence de Scipion et d’Hannibal, tenture des Actes de Scipion l’Africain, 1660, Bruxelles, manufacture de Hendrik I Reydams d’après les modèles de Gianfrancesco Penni et de Giulio Romano | © Fondation Toms Pauli Lausanne, legs Mary Toms

© Goshka Macuga, Death of Marxism, Women of All Lands Unite, 2013 | © Courtesy of the artist and Andrew Kreps Gallery, New York

© Goshka Macuga, Of what is, that it is, of what is not, that it is not 1, 2012 | 2025, ProLitteris, Zurich | Pinault Collection | Foto: Nicolas Brasseur

© Grayson Perry, Battle of Britain, 2017 | Foto: Irene Jost

© Grayson Perry, Modern Beautiful and Good, 2025 | Foto: Irene Jost

 

→ mudac Lausanne, Tisser son temps: offen Mo, Mi, Fr– So: 10.00–18.00 | Do: 10.00–20.00

 

Bildquellennachweis: © Fotos Irene Jost: entstanden in der Ausstellung Tisser son temps im mudac lausanne | © Pressebilder mudac Tisser son temps, gemäss Bildlegenden (Quelle: Presseinformation mudac lausanne, Tisser son temps)

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