Ausstellung Zentrum Paul Klee Bern (07.11.2025– 22.06.2026)
Eine revolutionäre Künstlerin, Designerin und Weberin. Wie im Bauhaus geht es ihr um Einfachheit, Funktion und Reduktion. Als Grenzgängerin erforscht und experimentiert sie mit Materialien und entwickelt die Gestaltung von wegweisenden Textilien.
© Anni Albers, The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
Anni Albers (1899–1994) ist in Berlin als Annelise Else Frieda Fleischmann in eine grossbürgerliche Familie geboren. Die Mutter stammt aus der Verlegerfamilie Ullstein, der Vater ist Möbelfabrikant. 1922 studiert Anni am Bauhaus in Weimar. Ihr Wunsch ist Malerei. Gegen ihren Willen startet sie als Lehrtochter in der Werkstatt für Weberei und fertigt 1925 in Dessau Wandbehänge, Meterstoffe und Teppiche. 1933 emigriert sie in die USA, zusammen mit ihrem Mann, dem Bauhauskünstler Josef Albers, um den Nationalsozialisten zu entkommen.
In der Selbstständigkeit und in Auftragsarbeit schafft sie grosse Werke. So entstehen z.B. Raumteiler für Gebäudeinnenräume als neue Form der Architektur. Wandtextilien, die das Licht des Tages aufnehmen und Räume in ein spektakuläres Licht tauchen. Von Stunde zu Stunde wechselnd, durch den Einsatz ungewöhnlicher Materialien wie Zellophan, Lurexfäden in Silber und Gold. Zudem sorgen schalldämpfende Materialien auf der Rückseite für eine optimale Raumakustik. Der Ort und die Verwendung der Textilien bestimmen Anni Albers’ Muster und Materialität. Von belebend-langlebigen Karobettüberwürfen für Studentenwohnheime, die Zigarettenlöcher und Spuren von schmutzigen Schuhen verbergen bis zur sakralen Textilgestaltung des Emaru-Ei Tempels. Oder an der Schnittstelle zwischen Objekt, Design und Kunst: Im zweiten Weltkrieg mit der Einschränkung von Ressourcen schafft Anni umwerfende Schmuckstücke aus Alltagsmaterialien, die für alle zugänglich sind. Ungewöhnlich gewöhnlich.
Ihre Reiseeindrücke von Mexiko, Chile, Peru fliessen in ihren Ausdruck im Weben von Mustern, Technik und Farben ein: Sie verteilt Texte und Symbole im Stil des «Ancient Writing» über das zentrale Webbild und schafft so eine reiche Welt der Erzählungen. Nach 1963 durchbricht sie das Einschränkende der Horizontalen und Vertikalen im Weben und beginnt den eingeschlagenen Weg in der Malerei weiter auszureizen.
© Anni Albers, Intersecting, 1962, Josef Albers Museum Quadrat Bottrop | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, Feldsteine-Teppich, 1954–1964 | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, Camino Real, 1968, The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, Raumteiler | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, Designentwurf Thoraschreinpaneele (für Olan Sanctuary, Tempel Emanu-El, Dallas) | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
Olan Sanctuary, Tempel Emanu-El, Dallas, Texas, fertiggestellt 1957. Thoraschreinpaneele von Anni Albers, Buntglasfenster von György Kepes | © 2025 The Josef and Anni Albers Foundation/ProLitteris, Zurich © György Kepes Estate (Imre Kepes and Juliet Kepes Stone)
© Anni Albers, Knot, 1947 | Zeichnung | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, ohne Titel, ca. 1980 | Zeichnung | The Josef and Anni Albers Foundation | Foto: Irene Jostc
© Anni Albers, Zeichnung für Rug II, 1959, The Josef and Anni Albers Foundation, Bethany | Foto: Irene Jost
© Anni Albers, Alexander Reed; Halskette (Aluminiumsieb, Büroklammern, Kette), 1940 | The Josef and Anni Albers Foundation, Bethany | Foto: Irene Jost
→ Zentrum Paul Klee Bern: offen Di–So, 10.00 bis 17.00 Uhr
© Fotos Irene Jost: entstanden in der Ausstellung Anni Albers.Construction Textiles | Copyrights gemäss Bildlegenden (Quelle: Presseinformation Zentrum Paul Klee und Informationstafeln in der Ausstellung Anni Albers)
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